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Geldern – Lokführer lässt zwei Rollstuhlfahrer stehen

Geldern. Unerfreuliches Erlebnis mit der Nordwestbahn am Gelderner Bahnhof. Angeforderter Helfer ließ sich nicht blicken. Von Michael Klatt

Corinna Göbert konnte es auch gestern, zwei Tage nach dem Vorfall, noch nicht fassen. "Dieses Verhalten ist untragbar und verstößt gegen bestehende Rechtsvorschriften." So bewertet die Geldernerin das, was ihrer Tochter am Samstagmittag am Gelderner Bahnhof widerfuhr.

Mit dem Niers-Express wollte die 14-jährige Rollstuhlfahrerin nach Düsseldorf fahren. Die Jugendliche hatte bei der Servicenummer der Nordwestbahn (NWB), die die Strecke zwischen Kleve und der Landeshauptstadt bedient, am Tag zuvor die Fahrt angemeldet, damit ihr mit einer Rampe geholfen werde. "Denn die Lücke zwischen dem Bahnsteig und dem Zug ist für Rollstuhlfahrer nicht zu überwinden", berichtet Corinna Göbert.

Der Niers-Express kam um 11.58 Uhr. Doch wer nicht da war, das war der versprochene Helfer mit der Rampe. Als die Türen sich wieder schlossen, drückte die Geldernerin auf den Öffnen-Knopf, worauf sich laut Darstellung der 50-Jährigen der Lokführer aus dem Fenster lehnte und lapidar erklärte: "Es handelt sich nicht um E-Rollis, und ich zieh' die hier bestimmt nicht rein."

Die 14-Jährige und noch ein weiterer Rollstuhlfahrer wurden stehen gelassen. Der junge Mann sei ebenso perplex gewesen wie sie selber, sagt Corinna Göbert. Zumal ihm so etwas mit der Nordwestbahn noch nie passiert sei.

Peinlich war das Verhalten des Lokführers auch der Dame von der Service-Stelle der Nordwestbahn, die von der Geldernerin noch vom Bahnsteig aus angerufen wurde. Die veranlasste schließlich, dass ein Taxi die beiden Rollstuhlfahrer auf Kosten der Nordwestbahn nach Düsseldorf fuhr. Zurück kam die 14-Jährige am Abend mit der Hilfe der drei Freundinnen, die sie in Düsseldorf traf und die den Rollstuhl samt Insassin in den Zug nach Geldern bugsierten.

Für Corinna Göbert ist die Sache nicht erledigt. Sie hat eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei der NWB eingereicht. "Dieser Lokführer sollte schleunigst über einen anderen Job nachdenken", findet die Geldernerin.

Bei der Pressestelle der Nordwestbahn war gestern keine klärende Auskunft über diesen Vorfall zu bekommen, weil der Lokführer wegen freier Tage derzeit nicht zu sprechen sei. "Sollte es sich so zugetragen haben, ist das ganz sicher nicht unser Anspruch", betonte Pressesprecherin Stephanie Nölke. Ein Fehler der 14-Jährigen war nicht die Ursache. "Ihre Anmeldung hat reibungslos funktioniert", stellte die NWB-Pressesprecherin fest.

Quelle: RP

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